3 Männer Podcast
3 Männer Podcast
Der etwas andere Podcast über Emotionen und Dinge, die nicht nur die drei Männer (Dr. Holger Liekefett, Christoph Theile und Christian Sega) im Alltag bewegen.
Hintergründig, mit Tiefgang und doch auch locker und lustig werden spanende Phänomene und Erlebnisse im Alltag rund um unsere Emotionen und Gefühle diskutiert, mit Fakten und erlebten Beobachtungen unterlegt sowie interessante Gäste zu ihrer Meinung und Einschätzung befragt.
Der 3-Männer Podcast klärt auf, analysiert und hinterfragt die „stereotypischen Klischees“ im täglichen Umgang mit unseren Emotionen. Er hilft uns, auf eine ganz andere Art, Emotionen zu erkennen, diese besser zu verstehen oder sie gezielt aktivieren und mit ihnen in jeder Lebenslage souverän umzugehen zu können.
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3 Männer Podcast
#48 Hollywood im Kopf - Priming übernimmt die Regie
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Folge 48: Hollywood im Kopf – Priming übernimmt die Regie
Unser Gehirn wird ständig beeinflusst – oft ohne dass wir es merken. In dieser Folge tauchen Christian, Holger und Christoph tief in das Thema Priming ein: Was steckt dahinter, wie funktioniert es, und wo begegnet es uns im Alltag?
Das erwartet euch in dieser Folge:
- Was ist Priming? – Der Effekt, der im Hintergrund unsere Entscheidungen lenkt, erklärt anhand faszinierender Feldstudien (z. B. das Augen-Plakat-Experiment von Daniel Kahnemann)
- System 1 & System 2 – Kahnemanns Modell aus „Schnelles Denken, langsames Denken" und unser eigenes Bild: der Emotiofant und die Ratio-Meise (15 mm vs. 11,2 km!)
- Der unsichtbare Gorilla – Warum wir Offensichtliches schlicht übersehen, wenn wir fokussiert sind
- Priming im Alltag – Nachrichten, Werbung, Social Media, Weinabteilung, Musik im Supermarkt, Farben & Preisgestaltung
- Replikationskrise – Was von Kahnemanns Forschung wirklich wissenschaftlich belastbar ist
- Kann man Priming ausschalten? – iPhone vs. Samsung, Marken und unsere tief verwurzelten Prägungen
- Positives Priming & Selbstoptimierung – Wie wir Sprache, Visualisierung und Umgebung nutzen können, um uns selbst gezielt zu primen
- Praktische Tipps:
- Humor als Schutzmechanismus – Werbung innerlich parodieren
- „Nur weil ich mich so fühle, ist es nicht objektiv wahr"
- Kuratiere deinen mentalen Input
- Warenkorb-Methode: 24 Stunden warten vor dem Kauf
Buchempfehlungen:
- Daniel Kahnemann – Schnelles Denken, langsames Denken
- Lisa Feldman Barrett – Wie Gefühle entstehen
Feedback & Themenvorschläge: info@3m-podcast.de
Weitere Informationen über uns findest du...
Dr. Holger Liekefett =>LinkedIn
Christoph Theile => LinkedIn
Christian Sega => LinkedIn
oder schaue auch gern auf www.eqting.com und www.globe-of-emotions.com und finde viele weitere Informationen rund um das Thema Emotionen
Das Buch zum Thema Emotionen mit dem Globe of Emotions: "Denken wir noch oder fühlen wir schon" von Christoph Theile und Nadja Kahn
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Ein Plakat, ein großes Plakat angebracht. Und in einer Woche wurden Blumen gezeigt.
SPEAKER_03Ich kann auch ein Anti-Beispiel bringen, in dem ich halt in eine Obstabteilung gehe und das Ganze nicht in dem schönen Grün oder sowas gestalte, sondern auf einmal eine komplett krasse Farbe nehme, die überhaupt kein nicht lecker, nicht Natur oder sonst irgendwas ist. Das heißt also.
SPEAKER_02Auf irgendwelchen Seiten bist und es werden immer drei Angebote gebildet. Ja, ja, klar. Du hast links das günstige, rechts das High Class in der Mitte. Das Angebot wird immer gern genommen. Das ist unser Bestseller. Der Bestseller. Da haben wir ja ein Priming vor uns.
SPEAKER_03Herzlich willkommen zum Drei Männer-Podcast.
SPEAKER_00Der Podcast über Emotionen und Dinge, die uns bewegen.
SPEAKER_02Immer mit dabei Christoph Teile, Holger Lickefett und Christian Seger. Und häufig spannende Gäste.
SPEAKER_00Ja, einen wunderschönen Hallo. Hallo, liebe Leute. Jetzt haben wir Holger diese Woche. Okay, aber schon die zweite Folge hintereinander. Wo es nicht aus meinem Grunde geht. Wir waren schneller. Also, ich darf euch begrüßen, Leute, zu einer weiteren Folge des Drei Männer-Podcasts, heute hier wieder vom Stadtteil mit gemischtem Wetter draußen. Und freue mich wieder mit dir, Holger und dir, Christoph. Ja, hier. Danke, an den Tisch zu sitzen. Ja, und Freude pur. Und heute geht es um ein ganz, ganz spannendes Thema, was eigentlich gar nicht so neu ist. Das kommt so aus der Forschung der 2000er Jahre. Da ist es so ein bisschen, genau. Aber allgegenwärtig. Und da gehe ich direkt rein in unseren phänomenalen Titel, den wir uns heute ausgedacht haben. Und der Titel dieser Folge lautet, um da direkt auf den Buch zu kommen: Hollywood im Kopf. Priming übernimmt die Regie. Hollywood im Kopf, Priming übernimmt die Regie. Alright, yes. Alright.
SPEAKER_03Großartiger Titel. Und warum haben wir den gewählt? Oder überhaupt, warum haben wir das Thema gewählt? Weil Christian hat mal ein bisschen was gelauscht.
SPEAKER_00Ja, genau. Also ich gehe ja ein bisschen gerne irgendwie draußen rum und fahre ein und wieder auch Auto oder an einer Bahn und dann habe ich so ein bisschen das Thema, dass ich doch gerne mal das ein oder andere Hörbuch höre. Und da gibt es dann entweder zwei Ausprägungen, Sach- und Fachbuch oder eben Belletristik und in diesem Fall war es jetzt mal ein Fachbuch. Und ich bin gelandet bei Daniel Kahnemann.
SPEAKER_03Der Nobel. Ja, den Nobelpreisträger.
SPEAKER_00Also Nobelpreisträger. Und Kahnemann ist ein Wissenschaftler, der eben auch schwerpunktmäßig zur Entscheidungstheorie und auch anderen Phänomenen geforscht hat.
SPEAKER_03Schnelles Denken, langsames Denken.
SPEAKER_00Genau, der hat ein Standardwerk geschrieben und das war auch das, mit dem er dann bekannt und berühmt wurde, nämlich genau, schnelles Denken, langsames Denken.
SPEAKER_02Da gibt es dieses, in diesem Buch, wenn ich mich richtig erinnere, gibt es diese coole Story mit den Menschen, die in runden Hütten groß geworden sind. Kennt ihr das? Das heißt, die sind also, das sind halt Afrikaner, die sind nur in wirklich runden Hütten und dann sehen die ein Bild mit einem rechten Winkel, wie wir das so, wie man einfach das 3D-Zeichen, wie wir das kennen, hast du zu der Ecke oder sie können das nicht lesen. Ja. Die haben keine Vorstellung davon. Das fand ich voll spannend. Mega. Wenn du das nicht in der Kindheit so erlebt hast.
SPEAKER_03In der Natur gibt es keine rechten Winkel. Nee, nee, das stimmt.
SPEAKER_00Das ist ein mathematisches Krass.
SPEAKER_03Dieses Thema ist für uns auf jeden Fall eine total faszinierende Grundlage, weil es ja uns auch ein Stück weit die Illusion raubt, dass wir die vollständige, bewusste Kontrolle haben.
unknownBam!
SPEAKER_00Ja, die Regie, deshalb haben wir gesagt, Hollywood und Regie, was passiert denn? Und Hollywood, weil einfach auch so viel Dramatisches hier passiert. Und um so ein bisschen in dieses Thema einzuführen, hat Kahnemann im Prinzip zwei Systeme definiert, die in uns sind. Und das sagen wir auch, das kennen wir auch. Kahnemann sagt Systeme 1 und 2, wir nennen das ein bisschen anders. Genau.
SPEAKER_02Ich finde, wir nennen das schöner.
SPEAKER_00Ja, ich finde das auch viel cooler.
SPEAKER_02Also vielleicht ganz kurz die Story dahinter. Wir stellen ja bei uns im Seminar mal gern so die Frage: also Wissenschaftler haben einen ganz tollen Versuch gemacht, haben die gesamte Kapazität des Gehirns auf eine Straße ausgerollt. Ja, am Ende kommen 11,2 Kilometer raus. Kapazität des Gehirns. Von 3D in 2D umgerechnet, wie auch immer. Ich frage mich immer, wie die Formel ist. Genau. Also von hier bis zum Hauptbahnhof und zurück. Also das ist schon ein schönes Ding. Und dann kommt so die Frage, wie viel von davon ist der emotionale Anteil und der Ratio. Eigentlich geht es um die Frage, wie viel davon ist unsere Ratio. Ratio, ja. Und rational. Und da kommen natürlich immer so, ja, vielleicht 1 zu 3 oder 1 Kilometer. Dann gibt es welche, die sagen 500 Meter. Und die spannende Antwort lautet am Ende 15 Millimeter.
SPEAKER_00Ja, 15 Millimeter zu 11,2 Kilometer.
SPEAKER_02Das ist also System 1 zu System 2 und wir haben dem einen Namen gegeben. Genau. Weil der Emotionenbereich häufig mit einem Elefanten verbunden wird. Wir reden ja auch immer von unseren Elefanten. Das ist der Emoziophant und die Radio-Meise. Und dieses Bild hat einer unserer guten Freunde, Franz, hat es mal mitgebracht. Und da seitdem benutzen wir das.
SPEAKER_00Ja, also das ist spannend, dieser Emoziophant. Ja, genau. Mit der kleinen Ratio-Mise.
SPEAKER_02Also diese Meise sitzt halt oben auf dem Kopf und glaubt, den Elefanten zu steuern.
SPEAKER_00Genau. Und der Elefant glaubt, er steuert sich selbst. Der weiß, er weiß dann.
SPEAKER_02Aber er lässt die Ratio-Meise natürlich machen.
SPEAKER_00Ja, er lässt sie machen, genau. Genau. So sieht es aus, genau. Also System 1 und 2, System 1 in dem Fall dann das schnelle, intuitive, automatische, unbewusste System. Also in dem Fall letztendlich ja die Meise, ne? Und die symbolisiert das und System 2 dann der Emoziofant. Also langsam reflektiert, bewusst immer im Vollbesitz seiner Entscheidungskraft.
SPEAKER_02Nee, nee, also der, was wir jetzt richtig haben, also der Emoziofant ist der Schnelle, ne?
SPEAKER_00Ja, ja, aber ich weiß, wo du herkommst.
SPEAKER_02Und wenn der mal in Bewegung ist. Wenn der mal in Bewegung ist, aber es dauert halt ein bisschen. Den hält nichts auf, genau.
SPEAKER_03Auf non-deklaratives Gedächtnis.
SPEAKER_00Thinking fast and slow. So, Kahnemann. Und dann hat Kahnemann und auch viele andere seiner Zunft um die 2000er Jahre haben die natürlich viele Experimente gemacht, die ich wirklich faszinierend finde, wenn man sich das so anhört oder auch liest, überhaupt auf diese Ideen dieser Settings für diese Experimente zu bekommen. Und um es vorwegzunehmen, ist dann dann herausgefunden worden, dass es eben einen sogenannten Priming-Effekt gibt. Und darüber wollen wir heute ein bisschen sprechen. Und um das mal ganz einfach zu erklären, was für mich eines dieser tollen Feldstudien da war, um den Priming-Effekt ganz einfach zu erklären, war folgende. Da wurde eine Gruppe von Studenten über einen Zeitraum von zehn Wochen an einer Universität beobachtet. Und in dieser Universität gab es so eine Kaffeeküche, Kantinküche, wie auch immer. Und in dieser Kaffeeküche konnten die Studierenden sich damals eben gegen ein Obolus von Geldzahlung, Kaffee, Tee, Milch und so weiter besorgen. Steht auch so in dem Buch drin. Und dann war das immer so auf Vertrauensbasis. Also ihr kennt das ja in den Büros heutzutage, gibt es diese Snackboxen. Genau. Da steckt man ja auch das rein, steht dann drauf, 50 Cent, 70 Cent. Und man wundert sich immer, wie wenig dann am Ende des Urs doch drin ist. Und die Box ist trotzdem leer. Und genauso ähnlich ist es hier. Und dann wurden zwei Dinge geändert im Laufe dieses Experiments. In der einen Woche wurde oberhalb von dieser Kaffeeküche ein Plakat, ein großes Plakat angebracht. Und in einer Woche wurden Blumen gezeigt, bunte, leuchtende Blumen, und in einer anderen Woche ein Plakat mit zwei großen, dich quasi anschauenden Augen. Beobachtung. Ja, und der Effekt war dann nachweislich, dass also in den Wochen, wo das Plakat der Augen da oben hing, deutlich besser gezahlt wurde in diese Kasse, als in den Wochen, wo nicht die Augen da oben hingen, sondern die Blumen. Und das wurde abgeleitet und eben bewiesen unter dem, und sagt man, okay, das ist hier dieses Unbewusste. Man fühlte sich offensichtlich beobachtet, so leitet man das ab. Und wenn man sich beobachtet fühlt, dann kann man ja nicht betrügen. Dann muss ich bezahlen.
SPEAKER_02Priming. Klingt fast wie eine Mischung, oder? Ja. Aus bewusst unbewusst. Wenn ich diese Augen da sehe und ich schaue die an, dann sind sie mir, glaube ich, sehr bewusst.
SPEAKER_03Ja, die sind dir sehr bewusst. Aber trotzdem. Wobei die Augen selbst lösen ja in dem Fall tatsächlich eine andere Aktivierung aus. Das ist halt die Faszination. Du siehst sie zwar bewusst die Augen, aber das, was im Hintergrund passiert. Und jetzt kommt ja, genau jetzt kommt die Regie, die ja im Hintergrund stattfindet. Und da ist das Priming. Und könnte ja sein, dass, also es werden verschiedene Schubladen geöffnet. Anderes Beispiel wäre das mit dem Regen. Wenn ich das Wort Regen, dann werden andere Schubladen bei mir gerade geöffnet. Nässe, Rutschgefahr, sonst irgendwas. Tak, tak. Das heißt, im Grunde genommen ist ja Priming jetzt nichts Schlechtes, sondern es bereitet uns auf gewisse Sachen vor, ohne dass wir darüber nachdenken müssen. Ja, ja, klar. Genau, das ist das Unbewusste. Das geht schnell, ne? Genau, dieses nondeklarative Gedächtnis, wie man so schön sagt, hilft uns dabei.
SPEAKER_02Ich habe gerade so eine Erinnerung aus, das muss 70er oder 80er Jahre gewesen sein, als die diesen Versuch mit Coca-Cola gemacht haben im Kino. Da haben sie doch Cola in einer Millisekunde eingeblendet und du konntest, du konntest es nicht sehen. Aber das Unbewusste hat es wahrgenommen und der Verkauf von Cola ist drastisch angestiegen.
SPEAKER_03Und das haben sie ja nachher verboten.
SPEAKER_02Genau.
SPEAKER_00Es geht in diese Richtung, ne? Das geht in diese Richtung. Es gibt noch ein anderes, wo du das gerade sagst. Es gibt diese andere wunderbare und da gibt es ein Video zu, das kann ich nur jedem mal empfehlen, sich anzuschauen. Es gibt ein tolles Feldexperiment mit einer Gruppe von Studierenden, Sportlern. Alle Sportler, die sich ein Video anschauen sollten. Und das Video zeigte letztendlich zwei Mannschaften, die Basketball gespielt haben. Aber es hat auch gezeigt, dass, und ich nehme es vorweg, dass während dieser Videosequenz, die etwa 25 Sekunden dauerte, ein besonderes Phänomen auftrat. Denn die Studierenden sollten bei den jeweiligen Mannschaften zählen, wie viel Ball Besitz die hatten. Also sie sollten sich darauf konzentrieren, die Bälle zu zählen, zu dribbeln und so weiter. Und das war der Job. Und darauf waren sie fokussiert. Aber was sie nicht gesehen haben, ist, dass während dieser Sequenz ein Gorilla durchs Bild gelaufen ist. Ja, genau. Gorilla mit Gelder. Ein Gorilla läuft durchs Bild. Also während die Spiele läuft ein, also nicht ein echter, sondern ein als Mensch verkleideter Gorilla läuft durch die Szene. Und dann wurden die Leute gefragt, ja, habt ihr denn noch was gesehen? Nö. Haben sie nicht gesehen. Haben sie nicht gesehen. Nee, klar. Weil der Fokus lag auf der Aufgabe. Und das war System 2. Das kognitive System war darauf trainiert und so bewusst konzentriert, dass sie eben diese Aufgabe erfüllen wollten und nicht gesehen haben, zumindest über 70 Prozent der Leute haben nicht gesehen, dass da ein Gorilla durchs Bild gelaufen ist.
SPEAKER_02Aber sie müssten es wahrscheinlich unbewusst, haben sie irgendwas wahrscheinlich gesehen, aber sie die Ratiomeise war so konzentriert. Sie war so konzentriert, dass sie das.
SPEAKER_00Alles ausgeblendet. Genau. Und ich habe den, ich habe ihn auch gesehen. Ich habe ihn nicht gesehen. Ich dachte ja immer, ne? Niemand sieht das in der ersten Mal. Niemand sieht das in der ersten, also es ist irre, ja. Und natürlich, beim zweiten Mal bist du, da bin ich bei dir, Holger, weißt du, dass es anders ist. Du kannst dich nicht dagegen wehren, dass du ihn siehst.
SPEAKER_03Und das gleich gibt es ja mit so einem Fall, so einem Kriminalfall, wo etwas passiert. Und dann soll man danach so, was ist denn wirklich passiert? Und dann sieht man, dass sich X Sachen geändert haben, von einer Klamotte bis hin zu Gegenständen, die auf einmal fehlen, ETC, die einfach ausgeblendet wurden, aber wir nehmen es weiterhin so wahr, als wenn es jetzt normaler Zustand war.
SPEAKER_00Sehr, sehr spannender Punkt, ein sehr guter Punkt. Das ist auch eines der ganz, ganz großen Probleme. Jetzt komme ich hier als True Crime-Experte, in der Juristerei, die Aussagen von Zeugen sind die schlechtesten, die du haben kannst in juristischen Strafprozessen. Weil das einfach so fehlerbehaftet ist.
SPEAKER_03Genau, es wird gefüllt. Wir Menschen haben die dumme Eigenschaft, dass wir dann in dem Moment drauf angesprochen werden. Und wenn man dann im Grunde genommen, wie groß war denn der weiße Mann? War es denn jetzt schon einmal? War der überhaupt weiße? Genau das ist nämlich. Also du wirst auch da schon in Anführungsstrichen geprimed. Das ist das Problem. Jetzt gibt es aber grundsätzlich ein anderes Problem, was wir hatten bei Kahnemann und Co. Nämlich diese sogenannte Replikationskrise. Sagt euch das was?
SPEAKER_00Ja, Wiederholbarkeit, nicht gegeben, ne? Krise.
SPEAKER_03Ja, großes Thema. Genau. Also, das ist wirklich ein kritischer Aspekt, dass nämlich dann Forscher in den, ich glaube, 2010er oder später, ich kann mich jetzt nicht mehr 100% daran erinnern, lagert mich also bitte nicht drauf fest. Auf jeden Fall haben die versucht, einfach mal alles nachzustellen, ein bisschen unter strengeren Bedingungen. Und dann haben sie festgestellt, dass die nicht dieses sogenannte Social Priming im Vergleich zu dem Word Priming halt nicht so funktioniert und dass man, ich glaube, selbst Karneval hat dann nachher so ein paar kleine Fehler eingeräumt, so kleine Stichproben oder sonst irgendwas. Also zu Deutsch, es ist nicht alles so replizierbar gewesen, wie man sich das vorgestellt hat. Das heißt also, dieser wissenschaftliche Beweis dahinter, den musste man erst durch größere Gruppen, durch größere Stichproben erstmal wieder nochmal machen. Und wie gesagt, das Social Priming im Vergleich zu den anderen, diesen Wort Priming oder der kognitiven Priming, funktioniert halt anders. Das eine ist wissenschaftlich wirklich verifiziert und auch ganz klar bewiesen. Das andere unterliegt noch so ein bisschen Schwankung, nennen wir es mal so. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass das Thema mit dem Auge zum Beispiel, da reagiert jeder Mensch. Das ist eine Art von Social Priming, da wird jeder Mensch drauf reagieren einfach. Er fühlt sich unter Beobachtung. Es könnte ja sein, dass jetzt hier irgendwo eine Kamera aufgestellt ist. Also habe ich vielleicht mein Verhalten dann, wenn ich vorher nur 70 Cent reingeschmissen habe anstatt der 90, werde ich das nächste Mal eher einen Euro reinschmeißen, bevor ich zu wenig reinschmeiße. Da glaube ich sogar dran. Ja.
SPEAKER_02Also ich habe jetzt gerade so dieses Bild von Lisa Feldman-Barrett. Ja. Die hat ja dieses sehr spannende Buch geschrieben, wie Gefühle entstehen. Und sie, es gibt so einen TED-Talk von ihr, wo sie darüber spricht, dass wir, dass das Gehirn den 24-7, also im Grunde den ganzen Tag nur Prognosen erstellt. Von allem, was um uns herum ist. Und das, was ja eine wahnsinnige Leistung ist. Und jetzt gucke ich mir, wenn ich diese Augen gucke, dann wird das Gehirn ganz sicher eine Prognose von, ich werde erwischt, sofort aufbauen. Weil das kennen wir vielleicht aus der Kindheit, aus strengen Blicken von Lehrern, von Großeltern, von you name it. Das sind Erfahrungen, die wir gemacht haben. Und dann kommt dieses, kommt die Prognose hoch und die lässt sich vorsichtig werden. Ich vermute mal, dass das so funktionieren könnte.
SPEAKER_00Ja, das ist eine ganz interessante Überleitung zu einem, also finde ich ganz spannend, dieses lässt dich vorsichtig werden, was du sagst. Und da bin ich auch so ein bisschen in der Frage, wo haben wir denn noch Risikobereitschaft? Also in unserer Gesellschaft, wenn wir so geprimt sind auf alles, also gerade wir Deutschen, die ja immer alles dann gerne mal 130%ig machen, wo gehen wir denn dann doch ins Risiko? Also, und ich meine, das muss man mal überlegen. Wo ist unsere Innovationsfähigkeit? So als ein Beispiel, kommt mir aber spontan. Ich kann das jetzt wissenschaftlich nicht belegen, aber ich finde das ganz spannend, was du sagst.
SPEAKER_03Vielleicht sind wir sogar hier in Deutschland stärker geprimt mit dem Aspekt, das wird sowieso nicht funktionieren, oder hinterfragen, haben eine höhere Skepsis und deshalb, vielleicht ist deshalb unser Standort hier nicht ganz so innovationsfähig wie andere.
SPEAKER_00Ja, das oder wir müssen auch immer vorangehen und die Normen dann hunderttausend prozentig korrekt. Also ich sage nur Datenschutz und alles Mögliche auslegen. Und guckt mal im europäischen Vergleich, ist ja alles EU-Norm, wo wir da so sind. Und das werden uns ja auch gerne angehaftet. Ich weiß nicht, ob das jetzt so hergeholt ist, aber finde ich ganz interessant.
SPEAKER_02Jetzt gucken wir mal auf so einen Klassiker. Stellt euch vor, ihr schreibt ein Buch, habt eine ganz coole neue Idee, und dann werden da nicht 100 Quellen zitiert. Es geht nicht. Gar nichts. Sondern einfach nur, was in deinem Kopf entstanden ist. Das kann ja gar nicht sein.
SPEAKER_00Ja, ja, genau.
SPEAKER_02Das ist nicht fundiert. Du bist raus. Also das Priming ist, wenn da nicht mindestens 30 Seiten Quellen hinterliegen, dann kann es nichts wert sein.
SPEAKER_03So ein bisschen dieses Sicherheitsding, dieses behördliche Denken, was wir haben, das auch ein bisschen wirklich manchmal überreizt wird, aus meiner Sicht. Wirklich zu perfekt. Und das kostet uns viel Zeit, viel Nerven und tatsächlich, also meine Mutter wird dies ja 95 und sie sagt manchmal, da brauche ich ja irgendjemanden, der es für mich ausfüllt, wenn es da irgendwelche Anträge gibt oder ähnliches. Da brauchst du wirklich mittlerweile schon Berater, die dann sich damit auskennen, um solche Anträge zu stellen. Das ist wirklich crazy.
SPEAKER_00Aber ich glaube, wir sind uns einig, es gibt diesen Effekt. Es ist so, wir haben diese beiden Systeme in uns. Thema Emoziophant-Ratio-Meise und auch dieses kasse-Missverhältnis. 15 mm zu 11,2, wenn ich das so auf die Straße packe, ist die 15 Millimeter wirklich verschwindend gering. Also Rationalität.
SPEAKER_02So ein bisschen so ein Teil unseres Fingernagels.
SPEAKER_00Ja, so ein bisschen Fingernagel und der Rest dann Kilometern. Das heißt, wir leben eigentlich im Dauerzustand von Priming und sind natürlich da in der Beeinflussung. Und das ist ein emotionales Thema schon. Total. Weil da greift jetzt natürlich sofort das ganze Thema um uns herum. Einflüsse, Werbung, Social Media, Systeme.
SPEAKER_03Die Frage wollte ich gerade stellen. Du hast mir gerade hinter meine Stirn geschaut. Wo begegnet uns denn Priming im Alltag? Jetzt mal ganz ernst. Genau.
SPEAKER_00Also erst mehr als wir denken. Naja, also Nachrichten allen voran in meiner Welt. Da haben wir ja schon mal eine Folge zugemacht, Angstlevel ist, also finde ich, drastisch gestiegen. Ja.
SPEAKER_02Fand es ja interessant, als sie zum Ukraine-Krieg den neuen Begriff von vornherein gewählt haben. Ein Angriffskrieg. Angriffskrieg, ja. Damit ist sofort das Urteil. Gefällt, ja. Ganz egal, was dahinter liegt und was wir tatsächlich.
SPEAKER_00Und jetzt stelle ich fest, in dem neuen Krieg ist es ein US-Amerikanisch-Israelischer Krieg. Das kommt jetzt immer mehr. Weil das sind die beiden Verursacher. Genau.
SPEAKER_02Die Worte werden immer länger. Ja, klar.
SPEAKER_03Auch im Priming, ne? Genau. Aber ich mache mal was ganz Simples. Ihr beide geht jetzt einkaufen. Christian geht, wir nehmen heute mal französischen Wein einkaufen. Okay. Und bei dir, du, was machst du denn mal? Du holst dir mal irgendwelche Äpfel. Okay. Findet da Priming statt oder nicht? Oder was glaubt ihr? Ich würde sagen, ja.
SPEAKER_00Ja, also ich weiß gar nicht, wie du dich von frei machen kannst. Genau. Es ist fast unmöglich. Also du kannst dich so anstrengen, jetzt nicht darüber nachzudenken, dass ich diesen Wein nicht kaufe, weil ich ihn nicht kenne oder weil ich ihn schon mal getrunken habe oder weil die Werbung mir sagt, er ist gut. Schwierig. Ja, und dann gibt es wirklich ganz subtile Systeme. Du kannst es nur machen, genau, wenn keine Etiketten drauf sind.
SPEAKER_03Ja.
SPEAKER_00Beispielsweise.
SPEAKER_03Oder den Preis nicht drauf ist. Jetzt gibt es noch eine Steigerung dessen. Und zwar erst, wenn ich es ausschalten würde, würdet ihr es begreifen, dass es nicht da ist. Und sagen, da fehlt was. Ihr geht also in den Bereich der Weinabteilung, ihr kommt in den Bereich von französischen Wein und genau in diesem Bereich spiele ich euch ganz spezifische Musik vor, die euch wirklich in einen Mut bringt, oh yeah. Ich habe jetzt gerade Bock und ich kriege jetzt gerade Lust darauf, einen französischen Wein zu kaufen. Ich kann auch ein Anti-Beispiel bringen, in dem ich halt in eine Obstabteilung gehe und das Ganze nicht in dem schönen Grün. Oder sowas gestalte, sondern auf einmal eine komplett krasse Farbe nehme, die überhaupt kein nicht lecker, nicht Natur oder sonst irgendwas ist. Das heißt also, durch die Gestaltung mit Farben, mit Tönen, mit Gerüchen ETC, kann ich ganz starkes sogenanntes Priming verursachen.
SPEAKER_02Es gibt diesen schönen Test beim Wine Tasting, wo die Gläser, unterschiedliche Gläser hingestellt werden und die machen das Licht so, dass jeder Wein blau aussieht. Blau. Und du kannst dann, dann geht genau das weg. Das heißt, die schalten das Priming aus. Weil die Farbe, das ist genau das, ich liebe vielleicht dann den roten oder diesen weißen Schimmer und der ist weg. Ich kann mich nur noch auf den Geschmack konzentrieren. Wie ist bei euch XXL abgespeichert? Mit welchen Farben?
SPEAKER_03XXL?
SPEAKER_02Wahrscheinlich rot.
SPEAKER_03Aha.
SPEAKER_02Mit so Rahmen drumherum und so weiter.
SPEAKER_03Ja, und gelb. Rote Schrift, auf gelbem Untergrund. Bam. Oder wenn ihr sagt, wir gehen irgendwie in den Sale-Bereich rein. Welche Farbe hat Sale? Blau, Grün?
SPEAKER_00Sale hat für mich Rot. Definitiv. Genau das ist es. Natürlich, ja. Sale ist rot.
SPEAKER_03Das heißt, Rot signalisiert für uns sofort, ah, boah, hier ist Aktion, hier ist Dringlichkeit, hier ist wichtig, hier ist günstig. Genau das ist es. Und XXL tatsächlich, schaut mal das nächste Mal, wenn ihr in irgendeinem Supermarkt drin seid, schaut mal auf die XXL-Packung, wie häufig dies dann in diesen Rot-Gelb-Kombinationen ist und groß drauf am besten noch in diesen Stern drumherum. Nicht schön, aber auffällig.
SPEAKER_02Aha, naja. Priming, genau. Priming. Jetzt kommt ja in die Frage, wir haben ja gesagt, der heimliche Regisseur.
SPEAKER_00Genau. Also ich glaube, es ist so, dass das Gehirn automatisch arbeitet. Das heißt, der heimliche Regisseur ist da, ist definitiv da. Und auch nicht auszuschalten.
SPEAKER_02Absolut. Die Frage, das ist jetzt natürlich eine super Frage. Kann ich den ausschalten? So. Also jetzt gehen wir auf die harte Nummer iPhone gegen Samsung. Achtung, Spoiler, Alarm-Spoiler, Alarm.
SPEAKER_03Nein.
SPEAKER_02So, genau. Wir sind ja sehr markengeprimed, was das angeht. Kann ich das ausschalten? Was für ein Gefühl? Also angenommen, ich wäre auf der einen Seite und ich soll jetzt ein anderes nehmen.
SPEAKER_00Ganz schwer. Also, glaube ich, ist ganz schwer. Ich glaube, wenn du noch nie eins besessen hast. Das wäre interessant. Das wäre interessant, genau. Das wäre interessant. Aber sonst ist das, glaube ich, schwer, wie bei Autos auch, Marke. Also hochemotionales Thema. Genau, wir sind geprimed, geht nicht. Also du musst dich zwingen. Du musst dich aktiv sowas von zwingen, gegen deine inneren Widerstände arbeiten. Das ist übrigens auch, also mir letztens mal interessanterweise ein Physiotherapeut erzählt hatte oder auch ein Chiropraktor, der hat zu mir gesagt: wenn du schon mit dem Gedanken in den Ring gehst, dass du dich jetzt zwingst, Sport zu machen, hast du verloren. Du zwingst Sport zu machen. Also zwingen musst. Und all das, was uns sozusagen unter Zwang aufoktoiert wird von uns selbst, ist schwierig. Weil da versucht das Kognitive, das Unbewusste auszutricksen oder zu übersteuern und das funktioniert ganz schwer und führt oft zum Scheitern.
SPEAKER_03Ich glaube übrigens, deine Frage nochmal, Christoph, selbst wenn wir das Wissen darum haben, werden wir es trotzdem nicht komplett ausschalten können. Also es muss ein wirklich sehr klarer, bewusster und wahrscheinlich sogar mit Kraft verbundener Akt sein, um sich dagegenzustellen. Oder sich bewusst auseinanderzusetzen. Nein, ich reagiere jetzt hier an dieser Stelle nicht darauf. Ja, ich glaube, die Willenskraft ist jetzt hier ausgefallen.
SPEAKER_02Wir stellen uns mal so ganz so ein Beispiel vor, was ich mir auch gut vorstellen kann. Du hast eine Affinität zu Süßigkeiten, was auch immer. Habe ich? Nein. So, und du siehst, du siehst das dann so vor dir. Es kommt dein berühmter Apfel da. Der Wellern-Apfel, meinst du? Leckerst, ne? Genau. So, und du kannst dich, du bist vielleicht darauf, du weißt natürlich, das andere ist der Genuss, das andere fällt unter Gebo. Und dieses, jetzt nimmst du den Apfel und du müsstest es aber ohne das Gefühl von Verlust können. Also ich glaube, mit dem, wenn du dich gegen deinem Priming stellst, wirst du immer das Gefühl von Mangel und Verlust haben.
SPEAKER_00Wahrscheinlich. Aber was mich nochmal am Ende jetzt hier interessiert, was du vorhin gesagt hast, zu Lisa Feldmann Barrett und Kahnemann. Diese Gegenüberstellung. Also wir sind ja hier in unserem Emotionen-Podcast. So, und wir haben jetzt auf der einen Seite gelernt, es gibt diese beiden Systeme, unbewusst bewusst, mit denen arbeiten wir ja auch, Emotion, Pfand, Ratio Meise. So, aber wenn ich jetzt mal auf unsere Emotionen und da nehmen wir jetzt nochmal die Basis-Emotionen gucke, wie stellt sich das denn dann dar, in irgendwelchen Kontext? Also wir haben ja auch mal mit diesem Begriff geprägt von schnell und langsam. Können wir da irgendwas ableiten?
SPEAKER_02Also ich komme, glaube ich, immer wieder zum Erstaunen zurück, denn wir haben, ich sag mal, unser bildgebendes Verfahren. Jetzt kommt ein inneres Wow, weil es dich anspricht, weil du vielleicht darauf auch, du bist darauf geprimed und wenn das Erstaunen kommt, geht die Klarheit ein bisschen verloren. Verloren, ja. Und dann sind wir kaum in der Lage, uns gegen diesen Effekt von Begeisterung zu stemmen.
SPEAKER_00Ja, genau.
SPEAKER_02Weil wir sind, wir sind ja geprimed auf etwas, wo wir sagen, das begeistert uns, das finden wir gut, da stehen wir voll drauf. Und dadurch kommt so dieses, das geht, das geht wahrscheinlich weg. Und das nochmal, wenn wir auf Lisa Feldmann Barrett schauen mit ihren, mit den Prognosen, die Prognosen zeigen mir ja sofort, wenn ich das jetzt nehme, fühlt sich das gut an. Weil ich das schon, weil ich das schon hundertmal erlebt habe. Immer wieder, das ist ja so ein bisschen das Spiel. Und wenn bei Kahnemann hatten wir diesen, gibt es dieses schöne Bild mit dem geprimt auf Geld. Wenn ich auf Geld geprimed bin, dann kommt raus, dass ich dadurch distanzierter bin.
SPEAKER_00Ja, unempathischer auch. Unempathischer zu anderen.
SPEAKER_02Das ist bewesen, ja. Kommt wie ein bisschen zu unserer letzten Folge über die Gier. Über die Gier, ja. Passt total gut zusammen, weil ich sage, okay, dann gucke ich, dann bin ich viel mehr bei mir als bei den anderen.
SPEAKER_00Und wenn man sich jetzt mal anschaut, wie viel oder wie häufig dieses ganze Thema Geld uns über den Weg läuft. Also Politik allen voran, Gesellschaft, Status.
SPEAKER_03Und ich hätte nochmal eine Sache. Bisher hört sich ja das Priming immer total negativ an. Gibt es denn auch aus eurer Sicht einen positiven Effekt beim Thema Priming? Ich hätte einen. Eine Idee. Du meinst Katzenbilder. Ja, ja, wobei. Ja, gar nicht schlecht. Also es geht um das Thema Selbstoptimierung tatsächlich. Und da kannst du über die Art der Wortwahl, du kannst über die Art der Visualisierung oder auch durch eine physische Umgehung. Das heißt also, durch Duft, durch Musik, ETC kann ich mich selber auch primen. Das heißt also auch da eine Art von Selbstoptimierung durchführen. Stellt euch mal vor, bisher habt ihr die Begrifflichkeiten Stress, Druck verwendet. Und jetzt auf einmal sagt ihr, nicht Stress oder Druck, sondern ihr sagt, ich habe da eine besondere Herausforderung. Oder hier an diesem Teil muss ich besonders hohe Effizienz zeigen. Merkt ihr was?
SPEAKER_00Klar, nimmt da eine ganz andere Tonalität oder gibt da eine andere Tonalität und damit einen anderen Faktor.
SPEAKER_02Also es wäre die Möglichkeit, also wir sind da wieder, wir sind im Reframing hier und ich gebe einen anderen Rahmen. Yes.
SPEAKER_00Ich warte, muss ich jetzt einen rauslassen, Holger, als du das gerade gesagt hast, war ich spontan, weißt du, woran ich eben gedacht habe, als du diese Frage gestellt hast mit diesem Posium? Ich habe mit diesem, also ich war bei Tinder, ne? Ja. Oh, Tinder. Ja, weißt du, was passiert bei Tinder? Rechts, links zwischen Ding-Dong. Ist das auch ein Framing, Priming?
SPEAKER_03Ja, ich glaube, das ist ein Priming, wie du früher sozusagen konditioniert wurdest, was in dem deine Lieblingssachen sind und vielleicht sogar vorgeschlagen wurde. Ja.
SPEAKER_00Warum ist Tinder so erfolgreich? Ja, klar. Es ist so einfach? Weil es so schön einfach ist. Das ist ein bildgebendes Verfahren.
SPEAKER_02Ja, klar. Es gibt ja diese typischen Priming-Effekte, während unsere Welt schön ist, ist auch gut. Ja, genau.
SPEAKER_00Deshalb KI, ne? Überall werden diese Bilder jetzt bearbeitet, retuschiert, wahrnimmt, Deepfakes. Also das nimmt ja Überhand und das wird immer weitergehen. Also wir haben diesen Effekt allgegenwärtig. Und er verstärkt sich. Und ich finde es ganz schwer, da raus zu manövrieren und irgendwo gegenzuhalten.
SPEAKER_02Ja, deswegen, also erstmal, ich glaube, Schritt Nummer eins, das Volker gerade gesagt hat, ist ja erstmal ein Bewusstsein dafür kriegen. Genau. Und sich einmal Zeit nehmen. Wir haben ja gesagt, dass wir, sind wir also wirklich Herr oder Frau unserer Entscheidung. Wer ist der Regisseur? Oder die Regisseur. Genau, wie entscheiden wir eigentlich? Und tue ich das aus dem Effekt heraus, dann zieht Priming voll durch. Oder machen wir die Methode, die Christian im letzten Podcast vorgestellt hat. Ich kaufe etwas, tu es in den Warenkorb und dann lasse ich das da bei 24 Stunden wirklich hinschimmeln und gucke mal, was dann passiert.
SPEAKER_03Und reagiere auch nicht auf die penetranten Mails, da liegt auch nicht.
SPEAKER_02Und trete mal raus aus diesem Kind. Das könnte ich mir gut vorstellen, dass das funktioniert. Ja, definitiv.
SPEAKER_00Ich finde, es gibt aber auch noch zwei, kommen wir so langsam zum Ende, auch zu den Tipps, es gibt noch so drei Ebenen, die man noch als Tipp mitnehmen kann. Also das eine finde ich ganz spannend, das kommt hier auch bei uns immer mal wieder vor. Humor kann auch als Schutzmechanismus dienen. Also Dinge mal bewusst zu übertreiben. Ja, wirklich. Und Werbung innerlich zu parodieren. Das kann man wirklich mal machen. Also das entlarvt den Effekt sofort. Dann bei uns mit den Emotionen. Emotionen ist für mich Ungleich der Wahrheit. Also Priming wirkt ja oft emotional. Aber die Regel sollte sein, nur weil ich mich so fühle, ist es nicht objektiv wahr. Nur weil ich mich so fühle, ist es nicht objektiv wahr.
SPEAKER_02Nee, das stimmt. Es gibt ja den schönen Satz, wer fühlt, hat recht. Ja, ja. Aber dann sagen wir gerne, dann müssen wir dafür ein neues Gefühl haben. Ja, tauscht das doch mal.
SPEAKER_00Tauscht das doch mal, genau. Also nur weil ich mich so fühle, ist es nicht objektiv. Und das andere ist noch, den Kontext mehr bewusst da zu wählen. Das ist immer so ein Thema. Also deine Umgebung beeinflusst dich doch massiv. Also Social Media sowieso, aber auch Nachrichten, Angstlevel. Und dann steht so schön in der Ableitung, das fand ich eine schöne Handlungsempfehlung, kuratiere deinen mentalen Input. Kuratiere deinen mentalen Input. Finde ich super. Ja, kuratiere. Das ist schon sehr geflogen. Also das kann man machen, um sich sozusagen diesem Effekt ein bisschen zu entziehen. Natürlich geht er nicht weg, aber ich kann bewusster handeln. Ja, ja, interessant. Ja, so abschließend. Und wie gesagt, versuche ich etwas zu.
SPEAKER_02Ich muss gerade nochmal an diese Sache denken. Es gibt ja, wenn du im Internet auf irgendwelchen Seiten bist und es werden immer drei Angebote gebildet. Ja, ja, klar. Du hast links das günstige, rechts das High Class in der Mitte, das Angebot wird immer gern genommen. Das ist unser Bestseller. Der Bestseller. Da haben wir ja im Priming vor uns. Also, das wird am besten verkauft, heißt das muss gut sein. Und gerade in diesem Moment, sich das bewusst zu machen, raustreten und sagen, ja, guck mal, gucken, wie die linke Version, vielleicht reicht die ja wirklich. Sonst kommt automatisch, diese ganzen Automatismen, in die diese Entscheidung hinbringen.
SPEAKER_00Ja, Priming. Also wir haben ihn. Wer das Hörbuch oder das Buch lesen möchte, das Hörbuch hören möchte, sei dem sei keine Mann ans Herz gelegt. Sowohl im Original natürlich, aber auch in der deutschen Übersetzung nicht so schlecht. Also da haben wir es her mit dem Priming, Lisa Feldmann Barrett, mit den Gefühlen, dem Benennen der Emotionen und ein paar Tipps haben wir euch gegeben. Insofern bleibt schön geprimed, ne? Und lasst Hollywood nicht die vollständige Regie übernehmen, auch wenn es schwierig ist. Genau, macht Selbstoptimierung, macht das positiv. Immer mal austreten. Immer mal austreten. Dem Emoziophanten gegenübertreten. So sieht's aus. Der ist so gut. Bleibt uns gewogen. Vielen Dank für die Frau. Bis bald. Tschüss. Tschüss. Tschüss.
SPEAKER_03Vielen Dank, dass ihr dabei gewesen seid.
SPEAKER_02Wir freuen uns auf euer Feedback auf www.3m-podcast.de Und sollte es Themen geben, die euch so sehr interessieren, dass ihr sagt, könnt ihr die nicht mal in eurem Podcast diskutieren, schreibt uns eine Mail an info at 3m-podcast.de
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